Rechtsanwalt Martin Voß LL.M. Fachanwalt für Strafrecht Braunschweig

Wie erkenne ich eBay-Betrüger?

Einige Statements, die bei Problemen und Betrug auf Ebay hoffentlich helfen:

Was kann man tun, um sich vor Betrügern bei Ebay zu schützen?

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die Käufer ergreifen können, um sich vor Betrügern und ihren Angeboten zu schützen. In erster Linie gehört dazu, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Viele betrügerische Angebote lassen sich so erkennen. Zunächst sollte das Angebot immer genau studiert werden. Sind die eingestellten Fotos nur offizielle Produktbilder statt Fotos des verkauften (ggf. gebrauchten) Gegenstandes, kann sich ein Käufer sicher sein, dass diese nicht den tatsächlichen Zustand der Ware darstellen. Der Verkäufer versucht offensichtlich, Makel und Mängel an der Ware zu verheimlichen. Auch die Beschreibung sollte genau analysiert werden. Schwammige Formulierungen und Sätze wie „Mängel wie im Foto zu sehen“, obwohl in den Fotos auf den ersten Blick keine Mängel festzustellen sind, können Hinweise darauf sein, dass hier Mängel verschwiegen werden sollen. Auch vermeintliche Tippfehler in der Artikelbezeichnung können beabsichtigt sein, um so über Produktfälschungen zu täuschen.

Aber auch der Preis kann einen Hinweis auf betrügerische Absichten des Verkäufers geben. Ist bei einem „Sofort-Kauf“ beispielsweise der aufgerufene Kaufpreis niedriger als man es für das angebotene Produkt erwarten würde, so ist Vorsicht geboten. Wer ein aktuelles Trikot einer Fußballmannschaft per „Sofort-Kauf“ für unter 50 Euro findet, kann sich sicher sein, dass dies kein Original sein wird. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass ein ungewöhnlich niedriger Preis zumindest bei einem „Sofort-Kauf“ den Käufer stutzig machen muss.

Die Bewertungen des Verkäufers bieten ebenfalls die Möglichkeit, schwarze Schafe unter den tausenden Verkäufern ausfindig zu machen. Da die Verkäufer sich der Transparenz durch das Bewertungssystem bewusst sind, sollte statt auf negative Bewertungen vielmehr auf das Anmeldedatum des Verkäufers und die Anzahl der seitdem vorgenommenen Transaktionen geachtet werden. Betrüger müssen sich ständig neue Ebay-Konten zulegen und innerhalb kurzer Zeit durch Mini-Transaktionen positive Bewertungen generieren um den Schein eines seriösen Händlers zu wahren.

Auch wenn der Verkäufer im Ausland sitzt, sollte Vorsicht geboten sein. Die (ggf. gerichtliche) Durchsetzung der Rechte des Käufers im Falle eines Betruges ist im Ausland wesentlich schwerer, wenn nicht denn sogar unmöglich.

Hüten sollten sich Käufer immer vor Angeboten, Kaufverträge außerhalb des Ebay-Systems abzuschließen. Damit wollen betrügerische Verkäufer oftmals den Käuferschutz von PayPal umgehen. Der Käuferschutz von PayPal ist der wohl effektivste Schutz vor Betrügern. Dafür muss natürlich die Bezahlung der Ware über PayPal abgewickelt werden. Die absolute Mehrheit der seriösen Händler bietet auch die Zahlung per PayPal an.

Was kann man tun, wenn der eBay-Käuferschutz nicht greift? Bleibt man dann auf dem Schaden sitzen?

Der Ebay-Käuferschutz gilt grundsätzlich für Käufe, bei denen mit PayPal, Kreditkarte, Lastschrift oder auf Rechnung gezahlt wird, jedoch nur, wenn die Zahlungsmethode über PayPal abgewickelt wird. Er ist aber beschränkt auf Fälle, in denen die Waren überhaupt nicht versendet wurden oder von der Artikelbeschreibung erheblich abweichen. Greift der Schutz nicht, so bleibt dem Käufer nur die Geltendmachung seiner Ansprüche im außergerichtlichen und gerichtlichen Wege. Nach Fristsetzung zur Erfüllung oder Nacherfüllung des Vertrages und fruchtlosem Verstreichen der Frist kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Dadurch entsteht ein Rückabwicklungsverhältnis. Dies bedeutet, dass alle vertraglichen Leistungen zurückgefordert werden können. Erstattet der Verkäufer nach Rücktritt durch den Käufer den Kaufpreis nicht, kann Klage erhoben werden.

Was kann der Kunde tun, um das Geld wiederzubekommen oder ggf. Ersatzware zu erhalten?

Ersatzware zu erhalten kann mitunter schwierig werden. Im Rahmen von Privatverkäufen werden Gewährleistungsrechte üblicherweise ausgeschlossen, sodass der Verkäufer nicht für Mängel an den Artikeln haftet. Auch können die meisten Privatkäufer keinen Ersatz für einen Artikel bieten, da sie nur ein Exemplar des jeweiligen Artikels haben. Anders ist dies bei gewerblich handelnden Verkäufern. Diese können die Gewährleistungsrechte nicht ausschließen. Weist die Ware bei Lieferung Mängel auf, so kann Nacherfüllung verlangt und in der Folge ggf. der Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt werden. Diese Rechte können über den Ebay-Käuferschutz geltend gemacht werden – dann sind sie jedoch von dem Gutdünken Ebays abhängig. Denn dann müssten Sie innerhalb von 30 Tagen nach Lieferung einen Fall bei Ebay eröffnen und die von Ebay geforderten Dokumente einreichen. Ebay entscheidet den Fall dann nach Lage der Akten. Sicherer ist es, die Nacherfüllung außerhalb des Ebay-Systems zu verlangen. Dies sollte über einen eingeschriebenen Brief an den Verkäufer erfolgen. Dabei muss eine angemessene Frist zur Nacherfüllung gesetzt werden. Erst wenn diese abgelaufen ist, kann vom Kaufvertrag zurückgetreten und der Kaufpreis zurückgefordert werden. In einem solchen Fall ist die Einschaltung eines Anwalts zur Prüfung des effektivsten Vorgehens ratsam.

Für wie sicher halten Sie große Anbieter wie Ebay im Vergleich zu kleineren Anbietern?

Weniger als auf die Größe eines Anbieters spricht eher die Dauer seiner Tätigkeit auf der Ebay-Plattform für dessen Sicherheit. Wenn ein Anbieter über Jahre regelmäßig handelt und positive Bewertungen erhält, so kann darauf vertraut werden, dass er seinen Geschäfte auch in Zukunft ordnungsgemäß nachgeht.

Ist Online-Handel in den letzten 5 Jahren sicherer/unsicherer geworden? Was denken Sie, wie sich das Feld in den nächsten Jahren weiterentwickelt?

Der Handel auf Auktionsplattformen hat in den letzten Jahren rasant zugenommen und ist daher vermehrt zum Ziel von Betrügern geworden. Dabei werden immer wieder neue Maschen erfunden, mit denen dem redlichen Käufer das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Jedoch findet gleichzeitig eine Sensibilisierung in der Gesellschaft statt. Käufer sind wachsamer geworden. Das Thema „Internet-Betrug“ ist mittlerweile allgegenwärtig in den Medien und wer einmal einen Betrug im Bekanntenkreis erlebt hat, der realisiert, dass auch er Opfer eines solchen Delikts werden kann. Auch Ebay bemüht sich um eine zeitnahe Identifikation und Sperrung von betrügerischen Ebay-Konten. Die Vergangenheit hat dabei gezeigt, dass Betrüger ihre Maschen diesen Mechanismen und der erhöhten Wachsamkeit der Opfern anpassen. Betrügerische Angebote wirken professioneller. Dies zeigt, dass der Kampf gegen Betrüger niemals enden wird. Daher bleibt es auch in Zukunft wichtig, Käufer zu über Risiken aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie sich gegen Betrug schützen können. Aber auch der individuelle Internetnutzer muss sich pro-aktiv informieren. Nur wer mit gesundem Menschenverstand und der gebotenen Vorsicht handelt, der kann sich selbst vor Betrug schützen. Und nur wer ausreichend informiert ist, kann einschätzen, welche Vorsicht geboten ist.

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