Rechtsanwalt Martin Voß LL.M. Fachanwalt für Strafrecht Braunschweig

Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) ist ein speziell auf die Bedürfnisse von Jugendlichen zugeschnittenes Gesetz.

Wer kann nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden?

Als Jugendlicher gilt jede Person, die zwischen 14 und 18 Jahre alt ist. Doch auch für Heranwachsende im Alter von 18 bis 21 Jahre kann das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen, wenn der Heranwachsende in seiner Entwicklung einem Jugendlichen gleich steht oder es sich bei der Tat um eine typische Jugendverfehlung handelt.

Das Jugendstrafrecht stellt keine neuen oder besonderen Strafvorschriften auf. Es soll lediglich das Strafverfahren und die Reaktionsmöglichkeiten der Justiz auf Verfehlung von Jugendlichen verbessern. Insbesondere soll dem noch nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess des Jugendlichen Rechnung getragen werden und eine individuelle Bemessung der Strafe erfolgen können.

Erziehung ist das Hauptziel bei Verurteilung Jugendlicher

Dieser Entwicklungsprozess soll durch das Jugendstrafrecht positiv beeinflusst werden. So ist der Hauptgedanke des Jugendstrafrechts die erzieherische Wirkung sämtlicher Maßnahmen. Staatsanwaltschaft und Gericht sollen auf ein breites Band von Sanktionen zurückgreifen können, um individuell auf den Jugendlichen einwirken zu können. Zu harte Maßnahmen, die den Jugendlichen in seiner Entwicklung beeinträchtigen könnten, sollen unterbleiben.

Die erzieherische Einwirkung ist insbesondere aufgrund der leichten Beeinflussbarkeit von Jugendlichen notwendig. Nicht selten geraten Jugendlich mit der Justiz in Konflikt, weil sie sich von ihrer Gruppe zu einer Straftat verleiten lassen haben. Insbesondere leichtere Delikte wie Ladendiebstähle, Schwarzfahren, Beleidigungen oder auch einfache Körperverletzungen resultieren aus einem solchen Gruppenzwang. In einem solchen Fall ist es besonders wichtig, dass auf den Jugendlichen individuell eingegangen werden kann, um ihn aus dieser Gruppendynamik zu befreien.

Auch können Jugendliche häufig die Tragweite ihrer Handlungen noch nicht richtig überblicken und einordnen. Um die Zukunft durch zu harte Maßnahmen nicht zu gefährden, sollen auch aus diesem Grund nicht die strengen Maßnahmen aus dem Strafgesetzbuch gegen Jugendliche verhängt werden.

Erziehungsmaßnahmen insbesondere bei Ersttätern

Nach dem Jugendstrafrecht sollen bei Ersttätern in erster Linie nur Erziehungsmaßregeln wie Erteilung von Weisungen, Anordnungen oder Hilfe zur Erziehung angeordnet werden. Diese Maßnahmen sollen dem Jugendlichen Hilfestellungen geben, um sich ab sofort rechtstreu zu verhalten.

Kommen Erziehungsmaßregeln aufgrund der Schwere der Tat oder der Vorstrafen des Beschuldigten nicht mehr in Betracht, sollen Zuchtmittel verhängt werden. Hierzu zählt z. B. der sog. Freizeitarrest oder auch der Dauerarrest. Beim Jugendarrest soll jedoch immer Rücksicht auf die Ausbildungszeiten des Jugendlichen Rücksicht genommen werden, damit er keine wichtigen Unterrichtseinheiten verpasst.

Gefängnisstrafe als letztes Mittel auch für Jugendliche

Nur wenn auch diese Maßnahmen aufgrund der Schwere der Tat oder der Vorstrafen des Täters nicht mehr in Betracht kommen, soll eine Jugendstrafe in Form des Freiheitsentzugs verhängt werden.

Bei Jugendlichen ist eine Strafverteidigung aufgrund der Bandbreite der Sanktionsmaßnahmen nicht zu unterschätzen. Insbesondere im Hinblick auf die Zukunft des Jugendlichen ist eine interessengerechte Vertretung angezeigt, um zu harten Maßnahmen zu verhindern und den Lebensweg nicht zusätzlich zu erschweren.